
Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der topsoft in Winterthur an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen, die der Frage nachging, wie Unternehmen mit dem Phänomen sozialer Netzwerke umgehen sollen. Angesichts der in letzter Zeit vermehrt verhängten Sperren ein aktuelles Thema. Natürlich vertrat ich in der Diskussion die Meinung, dass Sperren kein geeignetes Mittel sind. Gemeinsam mit mir vertrat auch Markus Gabriel, Inhaber von Angelink, die Pro-Seite. Für Sperren sprachen sich Marcel Siegenthaler von der FH Nordwestschweiz und der IT-Journalist Daniel Meierhans aus. Moderiert wurde die Veranstaltung von Karsten Füllhaas, der den regelmässigen Bloglesern nicht unbekannt sein dürfte.
Im Laufe der Diskussion versuchten wir zu beantworten, ob zum Beispiel durch die Nutzung solcher Seiten wie Facebook Arbeitszeit wirklich verloren geht. Weitere Themen waren unter anderem die Sicherheit, Kosten der Netzwerkbelastung, die Erwartungen der Millenials an ihre Arbeitgeber sowie der Nutzen von Social Media für das Marketing. Markus Gabriel machte gleich zu Beginn unseren Standpunkt klar: „Früher haben die Mitarbeiter in der Cafeteria getratscht, heute machen sie das über Internet auf Plattformen wie Facebook. Unter dem Strich geht wahrscheinlich nicht viel mehr Zeit verloren.“ Wir sind beide der Meinung, dass der Nutzen für das Unternehmen überwiegt, wenn sich Mitarbeiter an der Kommunikation einer Firma gegen aussen beteiligen. Schliesslich ist jeder Mitarbeiter ein Botschafter der Firma.
Scheinargument Netzwerkbelastung
Sowohl Meierhans wie auch Siegenthaler brachten das Argument der vermeintliche hohen Kosten, die die Netzwerkbelastung durch Facebook und Co. Erzeugten, in die Diskussion ein. Auch aus dem Publikum kamen vereinzelt Voten in diese Richtung. Ähnlich argumentierte auch Bundesrat Merz in der Fragestunde im Nationalrat: nicht die verlorene Arbeitszeit, sondern die Belastung des Netzwerks sei der Grund für die Sperrung von Facebook gewesen. Wie der „Tages-Anzeiger“ aber am 23. September berichtete, macht die Datenmenge, die beim Bund von Facebook heruntergeladen wird, lediglich zwischen drei und fünf Prozent des gesamten Volumen aus. Zudem: Das Videoportal YouTube, welches aufgrund des Videostreamings wahrscheinlich einen viel grösseren Datenverkehr erzeugt, ist nicht gesperrt.
IT-Sicherheit: Mitarbeiter sind der schwache Punkt
Auch das Argument der angeblichen Sicherheitsrisiken, die Social Media-Seiten darstellen, setzt meiner Meinung nach am falschen Punkt an. Einerseits, weil die Gefahr von schadhaftem Code gerade auf grossen, beliebten Seiten wie Facebook um ein Vielfaches geringer ist, als anderswo. Das grösste Sicherheitsrisiko ist und bleibt der einzelne Mensch. Ich denke, die grosse Mehrheit der Menschen – egal, ob innerhalb eines Unternehmens oder im Privatleben – ist zu wenig sensibilisiert. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeitenden besser schulen – statt einfach den Stecker zu ziehen. Auch wenn entsprechende Richtlinien vorhanden sind, werden sie aus unterschiedlichsten Gründen bewusst missachtet. Aber auch die IT-Abteilungen sind gefordert: Schlecht gesicherte Mailserver und WLAN zum Beispiel sind wohl gefährlicher als ein Besuch bei Facebook.
Auf Twitter wurde eine treffende Zusammenfassung des Podiums in einem kurzen Satz veröffentlicht:

Im Winterthurer „Landbote“ erschien zudem ein Beitrag zur Podiumsdiskussion. Obwohl er eigentlich online nur im Abo zugänglich ist, kann man ihn hier als PDF trotzdem abrufen.