Evolution der Sozialen NetzwerkeSoziale Netzwerk-Portale (Social Networks) sind heute die gefragtesten Community Websites im Internet. Die unterhalb dargestellte Timeline ermöglicht einen sehr interessanten Überblick über die Entstehung von wichtigen Social Network Sites (Launch Dates) im Internet:
[1]: Launch Dates of Major Social Network Sites, Danah Boyd, WebsiteWas sind die aktuellen Trends?Es lässt sich beobachten, dass in den Web 2.0 Portalen mehr und mehr "Echtzeit"-Informationen veröffentlicht werden (sog. "Realtime" Social Content Publishing"). Wo gestern noch stur gebloggt wurde, wird heute immer schneller und direkter veröffentlicht. Dabei spielt die Qualität der veröffentlichten Informationen weniger eine Rolle, hauptsache brandaktuell. Idealerweise wird direkt ab dem Handy oder dem IPhone publiziert. Trendmässig auch immer mehr Details aus dem privaten Leben. Um was handelt es sich bei diesem neuen Social Publishing Extrem-Trend genau?
[2] - Vielleicht erleben wir bereits schon das Web 2.1, ohne es zu merken? "Logging"Ich bin an dieser Stelle einmal so frei und führe den Begriff des digitalen "Loggings" ein (von dem ich glaube, dass dieser bisher noch nicht in dieser Form als Begriff Verwendung gefunden hat). Abgeleitet wurde er von mir aus der Informatik vom Begriff "Data Logging" und bedeutet eigentlich das automatische Protokollieren bestimmter Aktionen von Prozessen auf einem Computersystem. Bezieht man das Logging auf das Verhalten der Menschen in Sozialen Netzwerke im Internet, so stellt man schnell fest, dass man nicht mehr weit vom automatisierten Protokollieren entfernt ist. Denn: Es werden durch die Benutzer dieser Netzwerke immer mehr persönliche Daten bewusst öffentlich gemacht und man findet immer mehr das soziale Phänomen des gezielten Präsentierens (sog. digitales "Showing") des eigenen Ichs ...
"Social Logging"Und schon ist ein weiterer Begriff geboren: Das "Social Logging". Social Logging bezeichnet eine extreme Form von Blogging im Internet und zwar primär via Social Networks bzw. auch via Nutzung jeglicher gegebener vorhandener und verwertbarer digitaler Web 2.0 Dienste und Technologien zur Übermittlung von aktuellen Tätigkeiten, Erlebnissen, Gefühlszuständen, die Beschreibung von Lokalitäten -- Der Datenübermittlung sind keine Grenzen gesetzt, sofern es immer persönliche Daten sind! Zielgruppe der online gestellten "Logging-Daten" sind meist Freunde, Bekannte oder auch ganz einfach jeder der einen Internetanschluss besitzt. Kurz: Der Trend zum Tagebuch im Internet mittels klassischem Blog ist bald vorbei - zu langweilig! Jetzt ist es möglich sein ganzes Leben ganz digital und in nie dagewesener Aktualität abzubilden. Dabei wird selbstverständlich nicht nur mit Texten und Bildmaterial gearbeitet, sondern so oft wie möglich auf selbst aufgezeichnetes Videomaterial (z.B. per Handy) oder passende Musiksongs (oft nicht ganz legal verwendet), welche die momentane Stimmung ausdrücken, zurückgegriffen. Nebst alledem, werden wann immer möglich Lieblingsfilme- und -bücher in Listen veröffentlicht, die auf dem eigenen Portal Profil bzw. Portalsite einsehbar sind, um sich mit anderen Social Network austauschen zu können. Man möchte ja auf Gleichgesinnte treffen...
[3] - Social Logging in Sozialen Netzwerken wird bald zum Alltag gehörenEin Hauptzweck des Social Loggings, nebst dem nicht ganz unwichtigen Entertainment Faktor, ist sicherlich für viele das direkte Beeinflussen des digitalen Status, sprich der digitalen "Reputation", wobei beispielsweise Jugendliche einen hohen "Coolness" Faktor anstreben, während beispielsweise Business Leute versuchen, online ein seriöses und überzeugendes Image aufzubauen.
Social Logging unter TeenagernIm Gespräch mit Marcel, einem Jugendlichen von 14 Jahren aus dem Nachbarhaus konnte ich gestern etwas forschen, wie weit der Trend auch bei den Teenies schon die Runde macht: Zeige wer du bist, wo du bist, was du tust und wie es dir geht - ein Muss! Willst du cool sein, so zeigst du heute als Jugendlicher deine Videos und Fotos vom Wochenende auf YouTube und Flickr, beschreibst mittels Instant Messaging Add-On deinen aktuellen Gefühlszustand, zwitscherst mit Twitter deine aktuellen Tätigkeiten und präsentierst den anderen deinen Freundeskreis auf Facebook oder Xing, mit einer SMS via Handy oder Ogo mit integriertem MSN lädst du diese schliesslich zum Ausgehen ein. "Je mehr Kram du online stellst, desto höher ist dein Ansehen unter deinen Kumpels. Denn jeder möchte gerne zeigen, dass er aktiv ist und viel erlebt, auch wenn im Internet vieles übertrieben wird", meint Marcel und fügt hinzu "ohne Strom wäre ich schon ziemlich verloren!". Als wir uns verabschieden meint er, dass er bald Geburtstag habe und hoffe, dass seine Eltern im das neue IPhone kaufen. Anmerkung: Das IPhone bietet einige kostenlose Zusatzsoftware, die kostenlos bezogen werden kann, um auf dem Gerät Web 2.0 Netzwerke und Dienste wie Facebook oder Twitter unterwegs beliebig zu nutzen.
Social Logging im BusinessEs stellt sich nun die Frage, ob das Logging auch seine Anwendung im Business-Bereich finden wird. Die Antwort ist kurz, prägnant und einfach: Ja! Insbesondere innovative Unternehmen werden in Zukunft mehr und mehr auf Methoden wie das Social Logging setzen, um das angestrebte digitale Image von Produkten oder Dienstleistungen zu beeinflussen. So kann ich mir gut vorstellen, dass demnächst Grössen wie Steve Ballmer, CEO von Microsoft oder Steve Jobs von Apple mehr aus ihren Privatleben Preis geben und beispielsweise in Sozialen Netzwerken erzählen, welche technischen Geräte oder Online Dienste sie zu Hause nutzen und wie diese ihren Alltag verändern.
Non Profit-Organisation setzen ebenfalls auf Social Networks und seit MyChurch.org wissen wir auch, dass das Konzept aufgeht. Zielgruppenorientierte Social Sites sind heute ebenfalls hochaktuell. Allerdings unterscheiden sich generell die Contents auf Business- und Non-Profit Sites von denen der privatorientierten Portalen. Ob sich künftig auch ein Logging bei Sites von gemeinnützigen Organisationen abzeichnet, wird sich zeigen. Bereits heute wird in den Staaten vielerorts schon via Blog gepredigt.
Social Logging und Business - immer mehr Institutionen entdecken die Möglichkeiten der Social Networks für sichLogging macht süchtig!Wer einmal begonnen hat seine aktuellen Tätigkeiten zu loggen, der kann kaum aufhören, denn das Ganze macht einfach zu viel Spass. Durch die Integration verschiedener Plattformen und Dienste erfolgt meist zu jeder geloggten Aktion oder Gefühlszustand irgend eine Gegenreaktion. Bekannte Beispiele sind Ryan Kuder, ehemaliger Mitarbeiter von Yahoo, der all seine Erlebnisse im Verlauf der unfreiwilligen Yahoo-Kündigung mehr oder weniger in "Realtime" niederschrieb. Eine ganz neue Form der Literatur! Reaktionen kamen aus aller Welt und machten den Burschen schnell berühmt. Seitdem kann Ryan nicht mehr aufhören zu loggen. An dieser Stelle sei angemerkt: Wer mehr über ihn erfahren möchte, liest am besten direkt Ryan's Twitter Feed:
Ryan Kuder @ Twitter.com und folgt der URL. Tja, so einfach geht das heute.
Interessant ist zudem der Aspekt, dass sich Benutzer den Web 2.0 Diensten und Portalen gegenüber sehr loyal verhalten. So sagen gemäss einer
PWC Studie - Nutzer Sozialer Netzwerke sind treu [5] 70% der Befragten, dass sie "für immer" Mitglied in den entsprechenden Portalen bleiben möchten. Die meisten betonen jedoch, dass sie nicht bereit sind für die Dienste zu bezahlen, würden jedoch Werbung auf den Sites in Kauf nehmen. Mitgliedschaftsbeiträge auf den Social Networks kommen grundsätzlich nicht gut an. Es sei denn es besteht ein direkter Nutzen fürs Business (Beispiel: XING Premium Mitgliedschaft,
http://www.xing.com).
[4]: Nutzung von Sozialen Netzwerken, ethority Studie 2008 (ethority.de)Die grossen Gefahren des Social LoggingsDies bringt uns schon zum nächsten Aspekt des sozialen Protokollierens durch Social Logging: Welche Risiken sind in dieser Aktivität verborgen? Einerseits läuft man schnell Gefahr die Privatsphäre ganz zu verlieren (wobei dieser Effekt ja auch bewusst herbeigeführt wird beim "Social Logging"), andererseits ist die Gefahr des Missbrauchs allgegenwärtig. Beispielsweise sind für Privatdetektive XING, MySpace, Flickr, Twitter und Facebook das Jagdrevier pur, wenn es darum geht an persönliche Infos zu gelangen! Gezieltes Suchen nach Alter, Beziehungsstatus, Wohnort oder Freundeskreis: Alles meist kein Problem! Nach wenigen Klicks sind die Grunddaten schnell gefunden. Nur wer so schlau war, seine heikleren privaten Daten (wie beispielsweise Handy-Nummer, E-Mail) und Realname innerhalb der Social Networks zu schützen, kann dies umgehen. In den meisten Fällen sind diese Daten aber öffentlich offen zugänglich gemacht, beispielsweise bei Twitter, wo sogenannte "public" gestellte Feeds sogar von Suchmaschinen indiziert werden können. Einmal in der Search-Datenbanken aufgenommen, sind die Daten z.B. per Google Suche für jedermann abrufbar. Darum meine Empfehlung an alle Social Networkers: Aufpassen mit der Veröffentlichung von eigenen Daten. Man sollte sein Profil höchstens dem Freundes- und Bekanntenkreis öffnen, wenn man verhindern möchte, dass eines Tages Missbrauch betrieben wird. Und eins ist klar: Der automatisierte Missbrauch wird bald kommen: Crawler Robots die Soziale Netzwerke durchforsten und immer intelligentere Software, die das Matching zwischen den einzelnen Portalprofilen und Daten herzustellen versucht, wird uns bald beschäftigen. Und ich rede nicht nur von E-Mail Spam ...
Neue Chancen für "Social Logging"
Nebst all den negativen Aspekten von "Social Logging" ergeben sich durch neue innovative Ideen auch immer mehr sinnvolle Verwendungszwecke. Überlegen Sie einmal, was würden Sie tun, wenn Sie ein Netzwerk von abertausenden von Menschen in Form eines Sozialen Netzwerkes zur Verfügung hätten? Diese Frage müssen sich die Gründer von
InSTEDD [6] auch gestellt haben, denn die Institution verfolgt ein interessantes Ziel: Im Falle einer Katastrophe oder bei weltweiten Epidemien sollen Soziale Netzwerke als Warndienst fungieren können. Der Projektname steht für "Innovative Support to Emergencies, Diseases and Disaster". Konkret könnten sich Städte gegenseitig warnen, wenn beispielsweise eine lokale Epidemie ausbricht oder Naturgewalten die Menschen bedrohen. InSTEDD plant Tools wie Twitter und Facebook direkt zu nutzen, um etwa Helfer einsetzen zu können. Hilfskräfte sollen z.B. mit Diensten wie SMS die aktuelle Position auf Google Map anzeigen oder Angaben über aufgefundene Opfer machen können, was Koordinatoren von Rettungsaktionen eine Gesamtübersicht der Situation ermöglicht. Das Interessante am Projekt: Google.org investierte bisher über 5 Millionen Dollar in das Projekt und einige grosse Non-Profit-Organisationen konnten über 7 Milionen Dollar für InSTEDD aufbringen. Aspekte des "Loggings" oder "Social Loggings" könnten also auch dazu dienen solche Projekte zu unterstützen.
Quellenverweise:
[1] - Dana Boyd,
http://www.danah.org/[2] - Web 2.0 by Foxtrot,
http://www.foxtrot.com/[3] - Hank Grebe,
http://www.mediaspin.com/[4] - ethority.de, ethority.com
[5] - PriceWaterhouse Coopers Studie,
pwc.de[6] - Innovative Support to Emergencies, Diseases and Disaster,
inSTEDD.org