An was würden Sie spontan denken, wenn ich erzählen würde dass wir diese Woche € 1‘200.- pro Person bezahlt haben um zwei Tage in der Kälte, ohne genügend Nahrung und ohne Internetzugang zu verbringen? Vermutlich denken viele an ein intensives Überlebens-Training für Manager und sonstige Wildnis-, Natur-, Outdoor-Freunde draussen in der Wildnis. Weit gefehlt, dies waren die Bedingungen die der Franzose
Loïc Le Meur, gerade erst von der Business Week zu
einem der 25 einflussreichsten Köpfe der Internet-Wirtschaft gekürt, als Organisator der LeWeb den 1‘700 Teilnehmern in Paris zumutete.
Ich gebe es zu, unsere Erwartungen an die
LeWeb in Paris waren nicht zuletzt aufgrund des stolzen Preises von € 1‘200.- (mit Discount) pro Person für eine zweitätige Konferenz recht hoch. Umso erstaunlicher war es, dass Loïc Le Meur offensichtlich unfähig war die Konferenz auch aus logistischer Sicht professionell und dem Preis entsprechend zu organisieren. Ein funktionierender Internetzugang gehört aus meiner Sicht genauso zu einer Basis-Konferenzinfrastruktur wie geeignete Räumlichkeiten und genügend Essen.
LeWeb – Top Referenten und unfähiger Organisator
Die Referenten und der persönliche Kontakt - mit bereits bekannten und mit neuen Leuten – sind an einer Konferenz bestimmt das wichtigste. Damit man beides auch geniessen kann ist eine angemessene und einigermassen brauchbare Infrastruktur eine notwendige Voraussetzung. Und diese Infrastruktur war an der LeWeb aus meiner Sicht das katastrophalste, was ich in den letzten 10 Jahren an einem Kongress jemals erlebt habe.
Wenn ein Gebäude als Schlachthaus erbaut und hundert Jahre als städtisches Beerdigungsinstitut „Pompes Funèbre“ genutzt wurde, dann ist es vor allem für eines gut: Kälte zu erhalten, denn die Kälte wirkt konservierend. Insbesondere im Dezember, wenn draussen die Temperaturen um 0 Grad sind. Wenn dann am ersten Tag dann einer der Heizkörper nicht funktioniert beweist das Gebäude mit Brillanz, wozu es eigentlich gebaut wurde: Körper aufgrund der tiefen Temperaturen zu konservieren. Es war so unerträglich kalt dass wir trotz wärmster Winterkleidung unsere Füsse nach zwei Stunden nicht mehr spüren konnten.
Auch der Internetzugang (WiFi) funktionierte während den beiden Tagen nicht einmal über längere Zeit (mehr als 15 Minuten) zuverlässig. Glücklicherweise wurden wenigstens die Journalisten und Blogger mit Arbeitsplätzen und Internetzugang mit Kabel versorgt. Doch wir Normalsterbliche, die mehr als € 1‘000.- teurere Ticketpreise als die Blogger bezahlten, konnten das Internet nicht sinnvoll nutzen. Unsere Beschwerden wegen dem nichtfunktionierendem WiFi und den tiefen Temperaturen wurden mit einer unglaublichen Arroganz, wie es vermutlich nur Pariser an den Tag legen können, niedergeschmettert.
Aller schlechten Dinge sind Drei, und da musste doch noch was zu machen sein. Das Essen wurde nach guter französischer Manier sehr spät aufgetischt, schliesslich ist Tradition wichtiger als Konferenzteilnehmer die frühmorgens Aufstehen um rechtzeitig zur Konferenz nach Paris anzureisen. Leider an beiden Tagen in absolut ungenügender Menge und jeder, der einen Happen erwischte, konnte sich glücklich schätzen. Leider gehörten wir auch nicht zu den geladenen VIP-Gästen die mit der LeWeb Peugeot-Flotte quer durch die Stadt in das Drei-Michelin-Sterne-Restaurant Guy Savoy zum 14-gängigen Abendessen chauffiert wurden. Am zweiten Tag verlegten wir unser Mittagessen in ein chinesisches Restaurant im 9. Pariser Arrondissement wo wir zu zweit und für € 45 ein öffentliches und funktionierendes WiFi, warme Räumlichkeiten und ein leckeres Essen in genügender Menge vorfanden.
Einfach nur Pech?
Glaubt man den Worten von Loïc Le Meur in seinem Blog, so gibt es für alles eine Erklärung und auch genügend andere die Schuld an den Problemen haben. An jeder Konferenz kann etwas schief gehen und selten funktioniert alles perfekt. Aber mein Fazit der LeWeb ist klar, die drei wesentlichsten logistischen Anforderungen an die Konferenz wurden nicht erreicht. Das ist ein kompletter Reinfall und die Verantwortung dafür muss der Organisator tragen. Wenn ich für zwei Konferenztage € 1‘200 pro Person bezahle um zu frieren und hungern dann hab ich meine Freude an der LeWeb verloren bin ich einfach nur frustriert, egal ob die einzelnen Vorträge gut oder schlecht waren.
In Zukunft werde ich die LeWeb als Livestream aus der Ferne betrachten. Von einem warmen Ort mit funktionierender Internetverbindung, mit den gesparten Reise- und Hotelkosten lässt sich bestimmt etwas wirklich Gemütliches finden. Und mit den gesparten € 2‘400 liegt an beiden Tagen locker ein 14-gängiges Abendessen in einem Drei-Michelin-Sterne-Restaurant drin. Einzig der persönliche Kontakt mit bereits bekannten und neuen Leuten wird mir fehlen, doch es gibt ja noch andere Konferenzen und Konferenz-Organisatoren.