
Mit SharePoint lassen sich auch anspruchsvolle Webseiten umsetzen. Allerdings stehen viele Web Content Management-Funktionen nicht out of the box (OOTB) zur Verfügung, so dass ein grösserer Entwicklungsaufwand anfällt. Microsoft hat dies erkannt und hat der neuen Version 2010 von SharePoint einige verbesserte und neue WCM-Features hinzugefügt.

Die neuen WCM-Funktionen
- Managed Metadata Service: In SharePoint 2010 ist es nun möglich, über jeglichen Content hinweg Metadaten zu vergeben, und zwar entweder in der Form einer vorgegebenen Taxonomie oder aber frei durch die Benutzer (Folksonomy). Beide Varianten können auch parallel eingesetzt werden.
- Tagging: Das Vergeben von Tags unterscheidet sich an und für sich nicht gross von der Vergabe von Metadaten in vorgegebenen Feldern. Aus Nutzersicht jedoch machen Tags deutlich mehr Sinn: Statt in einem Korsett aus gegebenen Keywords gefangen zu sein, können alle Nutzer mittels Tags die Relevanz von Informationen organisch abbilden. SharePoint 2010 unterstützt dies mit einem Tag Cloud WebPart OOTB:
- Bewertung von Inhalten: Neu können die Nutzer auch Seiten und einzelne Dokumente mittels dem weit verbreiteten Fünfsterne-System bewerten:
- Content Organizer: Wie der Name es bereits sagt, hilft der Content Organizer den Autoren dabei, Inhalte am richtigen Ort abzulegen. Dieses Feature nutzt ein regelbasiertes Konzept, welches mit Hilfe der Metadaten entscheidet, wo ein bestimmter Inhalt abgelegt werden soll.
- Weitere Neuerungen: Silverlight WebPart OOTB, Video Streaming, Digital Asset Management, AJAX, JSON und RESTful API Support.
Verbesserungen am User Interface
- AJAX-Interface: Man mag von der neuen Ribbon-Navigation halten, was man will - aber die durchgehende Verwendung von AJAX erleichtert die tägliche Arbeit mit SharePoint deutlich. Bei fast allen Aktionen, die man ausführt, werden keine Page Loads mehr benötigt. Auch die Übersichtlichkeit wurde so stark verbessert.
- Die Ribbon-Navigation: Die mit Office 2007 eingeführte Ribbon-Navigation wird nun in Office 2010 (also auch bei Outlook z.B.) und SharePoint 2010 vollständig umgesetzt. Der Ribbon macht die Integration von Drittanbieterprodukten deutlicher einfacher, zusätzliche Menüfunktionen lassen sich einfach einbinden.
- WYSIWYG-Editor: WYSIWYG-Editoren sind oftmals entweder überladen und unübersichtlich oder nicht mit allen Browsern kompatibel. Der neue Editor in SharePoint 2010 ist zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, aber dank der Integration in die Ribbon-Navigation wurde er übersichtlicher und unterstützt - wie das ganze System nun auch - endlich neben dem Internet Explorer auch Firefox und Safari.

Verbesserte Barrierefreiheit
Wie erwähnt ist SharePoint nun endlich auch mit anderen Browsern vernünftig verwendbar. Darüber hinaus wurde stark an der Standardkonformität gearbeitet. Die OOTB Masterpages und Page Layouts sind XHTML- und WCAG 2.0 AA-konform. Neben der verbesserten Barrierefreiheit erleichtert dies auch das vollständige Branding der Seiten deutlich. Ein gerade für Webseiten wichtiges Feature.
IE 6 wird übrigens von SharePoint 2010 nicht mehr unterstützt. Für Firefox 3 ist neu ein so genannter tier 1 supported browser, d.h. er wird genau gleich unterstützt wie der IE - zumindest auf Windows-Rechnern. Auch Mac-User kommen bis zu einem bestimmten Grad in den Genuss von SharePoint: Safari ist ein tier 2 browser.
Weitere Neuerungen und mehr zum Thema
Neben diesen bietet SharePoint 2010 auch eine Reihe weiterer Neuerungen. Besonders auch die Social Software-Anwendungen wurden stark ausgebaut. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag und diesem Fachartikel im Netzguide "Business Software 2010".
Zusammen mit Michael Rettenmund werde ich am 6. Mai im Rahmen des Swiss eBusiness Kongresses in Zürich ein Seminar zum Thema "SharePoint im WCMS-Einsatz: Möglichkeiten und Grenzen" durchführen. Anhand praktischer Beispiele werden wir aufzeigen, was mit SharePoint im Bereich WCM machbar ist.