Wer sich heute dafür entscheidet, für das iPhone Applikationen zu entwickeln, ist spät dran. Als das Wundergerät im Juni 2007 auf den Markt kam, war das Angebot an Apps noch klein, aber über zwei Jahre und knapp 14 Millionen verkaufter Geräte später platzt der App-Store aus allen Nähten. Kein Wunder, mit Tools und Spielen fürs iPhone lässt sich auf vergleichsweise einfache Weise Geld verdienen. Längst ist
die Entwicklercommunity von einer verschworenen "ländlichen" Gemeinde zur Grossstadt herangewachsen und um eine noch nicht realisierte Idee für eine Applikation zu finden, braucht man schon sehr viel Glück.

Trotzdem muss man sich nicht verunsichern lassen. Besser heute damit beginnen als morgen, denn obwohl sich kaum mehr unverbrauchte Themen für eine App finden lassen, bietet der Markt immer noch viele Möglichkeiten für Entwickler. Eine beliebte davon ist etwa das App-Recycling. Dabei wird eine existierende Applikation analysiert, erweitert und verbessert; wiederverwertet eben. Manchmal reicht schon ein neues Design aus, um im App–Store auf ein paar hundert Downloads mehr zu kommen. Und darum geht es ja schliesslich, Klicks im Apple–Store. Wem das zu einfach ist, der hat immer noch die Möglichkeit, zur Konkurrenz zu gehen.
Ja, Konkurrenz auf dem Smartphone–Markt für Apple gibt es. Vor nicht mal einem Monat stieg, mit dem
HTC Dream-Smartphone als Träger, ein gerüsteter Gegner in den Ring,
das Android Betriebssystem. Dieses OS ist zwar nicht viel jünger als das iPhone, jedoch wurde es erst mit einem soliden Träger wie HTC für die breite Masse zugänglich. An

droid wurde von der
Open Handset Alliance entwickelt, macht fast alles richtig und vieles besser als sein grosser Rivale: Hardwaremarken-unabhängig, Open Source, keine Kontrolle durch Apple, Java als Programiersprache möglich, Unterstüzung durch bekannte Handyhersteller wie SonyEricsson, Motorola, LG und HTC; alles starke Argumente. Doch warum für den Underdog entwickeln? Denn trotz der guten Worte bleibt Apples Marktherrschaft vorerst unerschütterlich. Mit einem Marktanteil von etwa 2% erreicht Android nur eine kleine Zahl von Kunden erreicht. Obwohl das Entwickeln für Android einfach von der Hand geht, stellt sich zweifelsohne die Frage, ob sich das überhaupt lohnt. Seine Erwartungen muss aber jeder für sich selber einschätzen. Ein grosser Vorteil von Android ist zurzeit, dass der Markt noch jung ist, Ideeen noch frisch und unverbraucht sind. Dazu bietet Android dem Entwickler mehr Möglichkeiten und dessen Programme mehr Macht über das Gerät, was Android aus technischer Sicht zur interessanteren Wahl macht. Es ist nämlich so, dass viele gute Ideeen für Applikationen auf dem iPhone nicht machbar sind, auf Android aber schon. Grund dafür sind die Bestimmungen und Richtlinien von Apple. Zum Beispiel kann eine App auf dem iPhone nicht im Hintergrund aktiv sein (minimiert quasi), weil Apple immer nur eine aktive Anwendung erlaubt. Auch das Reagieren auf Events ist stark eingeschränkt, so ist es zum Beispiel nicht möglich, eine Applikation bei der Herstellung einer Internetverbindung zu starten. Apple hat also klar abgesteckte Grenzen, welche viele Apps von Anfang an nicht realisierbar machen und solange sich das nicht ändert, wird der App-Store immer mehr mit Kopien und Redesigns vollgestopft sein. Während Apple den Weg für Entwickler mit Sicherheitsrichtlinien blockiert, setzt Android auf Eigenverantwortung der Kunden. Die Applikationen werden nicht wie bei Apple vor einer Veröffentlichung auf Herz und CPU-Auslastung geprüft sondern sind sofort frei vermarktbar. Auch gewährt Android den Applikationen mehr Macht als das iPhone, vorhin erwähnte Einschränkungen sind zum Beispiel viel seltener.
Für welche Seite soll sich ein Entwickler also nun entscheiden? Soll er einfache Kopien für die Masse machen oder interessante Projekte für eine kleine Zahl an Konsumenten? Die beste Antwort lautet: beides. Immer mehr Frameworks werden veröffentlicht, deren Hersteller versprechen, dass sich damit für beide Seiten entwickeln lässt. Noch dazu können angeblich ganze Applikationen mit einfachstem HTML und Javascript geschrieben werden. Ob das dann auch funktioniert, bleibt zu testen. Ich selbst werde sicher diverse Frameworks ausprobieren und später vielleicht davon berichten.